• English
  • Deutsch




Den Gaumen verwöhnen und den Durst stillen

Sarma

Das typische „Arme-Leute-Essen“ in den alten Tagen war gewöhnlich grah (Bohneneintopf mit oder ohne Wurst oder Rauchfleisch) und polenta, auch žganci oder pura genannt (gekochtes Maismehl). Das erstere wird heute noch gern als billiges Gericht (gablec oder marenda) von Arbeitern am späten Vormittag gegessen; das letztere feiert, mit Joghurt gegessen, eine Art Comeback als ein besonders gesundes Nahrungsmittel.

Sarma (Wickel aus Sauerkrautblättern, gefüllt mit gehacktem Rind- und Schweinefleisch) ist eine der besten Erfindungen für berufstätige Frauen; je öfter aufgewärmt, desto besser schmeckt es. Ganz ideal, um unangemeldeten Gästen (was in Kroatien völlig normal ist) angeboten zu werden, sagen wir während der Weihnachtsfeiertage!

Besten fiš (fišpaprikaš), ein scharfes Gericht mit Fisch und Nudeln zuzubereiten, ist ein beliebter Zeitvertreib für Männer (es ist fast ausschließlich ein Geschäft für Männer) entlang der Ufer von Drau und Donau. Reihenweise hängen die Kessel über offenen Feuern, wecken die Erinnerung an Szenen von Asterix‘ gallischem Dorf und sind ein vertrauter Anblick während Wettkämpfen im Freien. Es ist eine Sache elementarer Höflichkeit, sehr überzeugend zu klingen, wenn Sie Ihrem Freund versichern, dass sein „fiš“ etwas ganz Spezielles ist. Machen Sie sich nichts daraus, der Schweiß, der beim Essen von Ihrer Stirn tropft, kommt ganz unwillkürlich!!

GradeleSie werden natürlich nie einen Fehler machen, wenn Sie zu jemand von der Adriaküste auch mal von einem Süßwasserfisch sprechen: der Fang von der vergangenen Nacht als na gradele zubereitet (Fisch auf Rebenholz gegrillt und reichlich mit hausgemachtem Olivenöl und Rosmarin übergossen) gibt Ihnen ein Gefühl, wie es nur eine Gottheit der Antike haben konnte! Kein Wunder, dass Tausende von Italienern an Wochenenden Stunden und Meilen unterwegs sind, um die Grenze nur diesem himmlischen Geschmack zuliebe zu überqueren!!

KulenDer Gedanke an das „Heim, das traute Heim“ ist im Nordwesten normalerweise mit purica s mlincima (gebratene Pute mit gebackenen Nudeln) und štrukli (gekochte und anschließend gebackene Crepes mit Walnüssen, Käse usw.), beides ohne jeden Zweifel authentische kroatische Delikatessen.

Kulen aus Slawonien (eine Art Wurst aus Schweinefleisch, in den alten Tagen nur zu besonderen Gelegenheiten serviert oder einem Arzt oder Rechtsanwalt als Aufmerksamkeit geschenkt, heute eine beliebte Vorspeise) könnte Anspruch darauf erheben, in die gleiche Kategorie zu fallen wie paški sir (Schafskäse von der Insel Pag).

Manches der hausgemachten grünen und goldenen Olivenöle stammt von Olivenbäumen, die während der Zeit der alten Griechen und Römer gepflanzt wurden und immer noch ist Olivenöl sowohl als Nahrungsmittel als auch als Universalmedizin anerkannt.

Versäumen Sie nicht, im Süden drniški pršut (Prosciutto von Drniš) zu probieren, das normalerweise im Winter im Freien getrocknet wird, in Zagorje müssen Sie sich, sagen wir während eines gewöhnlichen Volksfestes an kotlovina (Fleisch und Gemüse in einem speziellen flachen, breitrandigen Topf zubereitet) laben.

PršutSchlagen Sie jeden Rat von Einheimischen in den Wind, die so tun als ob sie richtige Kosmopoliten wären und genießen Sie Gerichte, die sich das arme Volk in früheren Zeiten nur zu ganz besonderen Gelegenheiten leisten konnte: janjetina na ražnju (Lamm am offenen Feuer gebraten), odojak (Spanferkel, könnte eine gute Alternative sein) mit frischen Zwiebeln, janjetina ispod peke (Lamm gebacken auf vorgeheizter irdener Oberfläche unter einer konischen Haube bedeckt mit glühender Asche).

Spezialitäten vom roštilj (Barbecue), hauptsächlich čevapčići (gemischtes Hackfleisch) und ražnjići (eine Art Schaschlik) sind relativ neue Gerichte aus dem Orient, heute aber verbreitet und voll angenommen.

TrüffelnSchließlich brauchen Sie kein Millionär zu sein, um den Geschmack von vorzugsweise dunklen Trüffeln zu genießen, Pilze von Istrien, die – jawohl, das ist verbürgt – magische Wirkung auf Ehemänner (aber die Wirkung ist nicht nur auf diese beschränkt!) ausüben. Zuzusehen, wie die speziell ausgebildeten, teuren Hunde aber auch Schweine die Pilze im Waldboden erschnüffeln ist ein Vergnügen an sich.

Die einheimischen Konditorwaren und Schokolade, im Ausland nicht so bekannt (schlechtes Marketing?), können sich sicher mit den besten auf der Welt vergleichen. Die absoluten Marktführer sind die authentische kroatische Marke bajadera (Nougat mit Mandeln) und griotte (mediterrane Kirschen in dunkler Schokolade mit Alkohol nach einem nahezu hundert Jahre alten Rezept).

Eine der schärfsten Trennlinien zwischen Kroaten hat, wie Sie erwarten können, nichts zu tun mit Politik, Sympathien gegenüber Fußballmannschaften oder Dialekten. Nun, die sicherste Identifikation ist, was jemand bestellt, gestützt auf den šank in einem kleinen Büffet oder konoba, in dem das einfache Volk Kunde ist. Den Sakrileg einen gemišt zu bestellen (Weißwein mit Mineralwasser) kann nur jemand vom Norden begehen, wo angenommener maßen in den alten Tagen die Säure der lokalen Weine durch das Mischen mit Wasser etwas neutralisiert wurde. Der stolze Sohn des Südens (Dalmatien) nimmt bevanda (Rotwein mit Wasser), ausnahmsweise unverdünnt (cijelo). Diese Trennlinie ist der zwischen Wein und Bier trinkenden Europäern nicht unähnlich, eine solche Spaltung betrifft die Kroaten aber nur teilweise, denn sie haben nichts dagegen, beides zu konsumieren, abhängig von der Gelegenheit, dem Wetter, dem Essen...

In den alten Tagen war die einzige Wasserquelle auf den meisten Inseln Regenwasser, das von den Dächern in Tanks gesammelt wurde, die in Stein geschlagen waren. Um seinen Geschmack zu verbessern, wurde etwas Wein zugesetzt, auch um den Durst zu löschen; die Alternative war kvasina, mit Wasser verdünnter, sauer gewordener Wein.

SliwowitzEine Kupferdestille, die sich von einem Hauhalt zum anderen bewegt, ist noch ein gewöhnlicher Anblick in Dörfern und kleinen Städten landeinwärts. Ein paar Zwetschkenbäume im Garten, und man hat seinen eigenen Sliwowitz als Trankopfer und kann ihn mit Freunden teilen (und vergleichen!) oder einem Besucher als Willkommensgruß oder Aperitif anbieten.

Loza, abgekürzt für lozovača, ein Brandy auf der Basis von Trauben ist das bevorzugte starke Getränk der einfachen Völker vom Süden; die mehr raffienierten trinken die mildere Version, travarica, sein Gehalt an Heilkräutern liefert immer einen guten Grund ihn zu jeder Tageszeit sowohl als Aperitif als auch als Digestiv zu trinken.

Die Idee eines staatlichen Monopols auf Alkohol ist völlig fremd und den Einheimischen unbegreiflich, staatliche Kontrolle ist auf große Hersteller von starken Likören oder Qualitätsweinen beschränkt.

PlavacFür Weinkenner im Ausland ist Kroatien zuerst und vor allem ein Land mit ziemlich schweren Rotweinen mit vollerem Geschmack wie die Sorten dingač, postup und plavac von Dalmatien (Halbinsel Pelješac, Inseln Hvar, Brač und Vis).

Die Weingärten, die zu römischer Zeit im Norden angelegt wurden (Kutjevo, Djakovo und Ilok) lieferten bis vor kurzem Weine für den Inlandsverbrauch, der Duft des traminac ist wahrscheinlich am erfolgreichsten im Finden des Weges zu den Riechzellen mancher Spezialisten im Ausland. Die Wiederbelebung des privaten Sektors hat eine ganze Anzahl von Enthusiasten hervorgebracht, die guten Wein zu vernünftigen Preisen in kleinen, aber gut ausgerüsteten Kellern erzeugen.

Ein Tipp: Verbrüdern Sie sich unauffällig mit einem einheimischen Gourmet, der seine Wurzeln im Gebiet von Lika (Ličanin) hat und lassen Sie sich in eine einfache Speisegaststätte oder noch besser zu ihm nach Hause mitnehmen und behandeln Sie Ihren Gaumen mit dem einzigartigen hausgemachten Sauerkraut mit geräucherten Schweinerippchen. Natürlich, der Kommen wird mit einem Sliwowitz verschönt und alle paar Bissen werden mit einem guten, schweren Rotwein heruntergespült.



  • Bewertung: 2.6/5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Bewertung: 2.6/5 (64 Stimmen)

Wie man in Kroatien überleben und sich sogar wohl fühlen kann - Ein Handbuch für Ausländer in Kroatien © Jakov Buljan, 2006
Illustrationen: Dubravko Mataković     Sprachen-Redakteur: Francesca Brizi