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Diaspora

Emigration, hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen, scheint ein Teil des kroatischen Schicksals zu sein. Wahrscheinlich am schlimmsten, vergleichbar den Missernten bei Kartoffeln in Irland, waren die durch die Wurzellaus Phylloxera aber auch Peronospora verursachten Schäden, die fast den gesamten Rebenbestand vernichteten und die Bevölkerung zur Emigration zwangen.

Es kam noch schlimmer: Durch die sogenannte „Weinklausel“ des österreichisch-ungarischen Handelsabkommens mit Italien aus dem Jahr 1891, drei Jahre vor dem Eintreffen der Phylloxera in Dalmatien, wurde der lokale Markt mit billigen Weinimporten aus Italien überschwemmt.

In mehreren Wellen sind viele Orte, besonders im Süden und auf den Inseln nahezu völlig verlassen worden. Heute leben mehr Menschen aus Blato, Korcula in Neuseeland oder von der Insel Susak in New York als in ihren angestammten Orten. So darf man nicht überrascht sein, auf den Inseln Susak und Olib als Hauptwährung nicht nur für größere Transaktionen, sondern auch im täglichen Leben den US-Dollar anzutreffen.Diaspora - Susak

Eine neuerliche Welle ökonomischer Emigration, überwiegend nach Deutschland aber auch nach Österreich, Frankreich und Schweden fand um 1960 zur Zeit rascher Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen im kommunistischen Jugoslawien statt. Offiziell wurden die Weggegangenen als Arbeiter auf Zeit im Ausland bezeichnet, aber die meisten von ihnen und in der Regel ihre Kinder blieben dort für immer. Die jüngste Welle war die Folge des blutigen Zusammenbruchs von Jugoslawien.

Gemeinschaften, die noch irgend etwas von ihren alten kroatischen Wurzeln zu bewahren versuchen (oft ist das nicht mehr als traditionelle Tänze und Gesänge), sind von Australien bis Kanada, von Tierra del Fuego bis Pennsylvanien und Kalifornien, von der Republik Südafrika bis Neuseeland anzutreffen. So sind die Kroaten eine Nation mit einer der verhältnismäßig am weitesten ausgedehnten Diaspora der Welt, d.h. der Kategorie von Iren und Armeniern vergleichbar.

Betrachtet man die soziale Stufe, so sind die kroatischen Immigranten wahrscheinlich in Chile am erfolgreichsten, wo sie nicht nur in ihr traditionelles Handwerk involviert waren, in den Weinbau, sondern gleichermaßen die ersten Brauereien und Schuhfabriken mit einrichteten und sich an akademischen Zirkeln und der Staatsverwaltung beteiligten.

Ein besonderer Fall sind die kroatischen Gemeinschaften in den benachbarten Ländern, die überwiegend von Wanderungen zur Zeit der Ottomanischen Eroberungen herrühren. In Wien und im Burgenland leben heute etwa 30 000 Menschen, die nach annähernd fünf Jahrhunderten inmittten Deutsch sprechender Gebiete etwas von ihrer kroatischen Identität bewahrt haben. Eine ähnliche Geschichte haben namhafte kroatische Agglomerate in Ungarn. Die kleinen Inseln in der Slowakei (in der Nähe von Bratislava) und Rumänien haben nur noch symbolische Bedeutung.

Eine bedeutende kroatische Minderheit gibt es in Srijem und Bačka (Serbien) sowie auch an der Bucht von Boka Kotorska (Montenegro). Drei Enklaven im Kosovo, Reste der Handelskarawanen aus der Zeit der Republik von Dubrovnik, wurden in den vergangenen zehn Jahren aufgegeben.

Viele Jahrhunderte lang lieferte die kroatische Bevölkerung in Bosnien und Herzegowina den hauptsächlichen Ausgleich von Bevölkerungsverlusten in Kroatien, speziell in Slawonien und Dalmatien. Der letzte Krieg hat damit aber Schluss gemacht: Die kroatische Bevölkerungszahl in Bosnien und Herzegowina ist nahezu halbiert!

Interessanterweise ist der Familienname Horvat (was Kroate bedeutet), allerdings unterschiedlich geschrieben, unter den häufigsten Namen in Kroatien, Ungarn, Slowenien und in Österreich im Burgenland anzutreffen.


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Wie man in Kroatien überleben und sich sogar wohl fühlen kann - Ein Handbuch für Ausländer in Kroatien © Jakov Buljan, 2006
Illustrationen: Dubravko Mataković     Sprachen-Redakteur: Francesca Brizi